satzGrund

... der Sache auf den Grund gehen

Month: Juli 2010

Die Taliban lesen mit

Es muss sich doch um etwas ganz “Großes” handeln, wenn der Spiegel, der Guardian und sogar die NY-Times gemeinsam so an die Öffentlichkeit treten. Und tatsächlich (abzüglich des ganzen Hype-Faktors) kam etwas “Großes” zu Tage. Durch die Internet-Platform WikiLeaks wurde eine enorme Menge von geheimen Unterlagen des Afghanistanfeldzug veröffentlich. Der Aufschrei war groß und die Medien verfehlten nicht ihre Wirkung.

Aber war es nicht irgendwie so, dass es eigentlich egal war WAS in den Dokumenten stand – sonder vielmehr DASS man den größten Geheim-Gremien der Welt ein Schnippchen schlagen konnte. Daran sieht man wieder einmal den Sensations-Journalism at its best, der Inhalt ist größten teils egal, wichtig ist nur das was passiert ist.Klar beinhalten die Dokumente Informationen die z.B. für die U.S.-Regierung besser unter Verschluss geblieben wären. Doch machen wir uns doch nichts vor, die prekäre Lage in Afghanistan ist doch schon lange bekannt.

Und das diese Dokumente nicht nur zum Vorteil der Allgemeinheit veröffentlich wurde zeigt der Kommentar von Klaus-Dieter Frankenberger.

Dass sich Regierungsgegner in Washington und Berlin die Wikileaks-Akten auf unseriöse Art und Weise zu eigen machen, ist nicht der springende Punkt bei ihrer Veröffentlichung. Sondern dass sie Auskunft über die Taktik der Nato geben. Die Taliban werden das zu nutzen wissen.

Joseph Stiglitz – Die Chancen der Globalisierung

Klappentext

Wir wissen, was an der Globalisierung faul ist – Joseph Stiglitz sagt uns, wie sie funktionieren kann.

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz kehrt mit diesem Buch zurück zu den Fragen seines Bestsellers »Die Schatten der Globalisierung«. Er untersucht, welche Veränderungen die Weltwirtschaftsordnung in den letzten Jahren erlebt hat und erläutert die großen politischen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Vor allem entwickelt er seine Vision einer gerechteren Zukunft und weist konkrete Wege aus der Globalisierungsfalle.

Seitdem Stiglitz mit seinem Bestseller »Die Schatten der Globalisierung« (2002) für Furore sorgte, hat sich das Bewusstsein für die Gefahren sozialer Ungerechtigkeit geschärft. Doch den zahlreichen Bekenntnissen für eine gerechtere Welt müssen nun politische Taten folgen. An diesem Punkt setzt das neue Buch des Wirtschaftsnobelpreisträgers an. Auf der Grundlage seiner wissenschaftlichen Forschung und seiner Erfahrungen in der politischen Praxis zeigt Stiglitz, wie die Chancen für positive Veränderungen, die in der fortschreitenden Globalisierung liegen, genutzt werden können. Dabei spricht er zahlreiche Themen an, die uns in Europa, in den USA, aber auch in den sich entwickelnden Ländern auf den Nägeln brennen. Ganz gleich, ob es um Energieprobleme, die notwendige Reform des weltweiten Währungssystems oder die Kontrolle transnationaler Konzerne geht – stets behält Stiglitz das Machbare im Auge.

Rezension

Was mir an dem Buch besonders gefiel, war das er nicht nur Kritik an dem jetzigen System äußert, sondern auch Lösungsvorschläge/Chance anbietet. Ich hab schon vieles gelesen, wo genau dieses auf der Strecke blieb; Meckern ja, aber Lösungen Fehlanzeige. Es handelt sich auch bei “Die Chancen der Globalisierung” um ein sehr verständliches Buch, das keinerlei ökonomische Vorkenntnisse verlangt. Hier liegt aber auch ein wenig die Gefahr. An manchen Stellen kann man nur mit Fachwissen Ungereimtheiten erkennen, die Stiglitz in seinem Buch schreibt. Man muss immer im Auge behalten, dass er früher selbst an den entscheidenden Stellen war (IWF etc.) und jetzt kritisch über sie berichtet. Im Positiven Sinne könnte man argumentieren, dass er die Erfahrung durch seinen ehemaligen Beruf dort besitzt, um über solche Stellen “kritisch”  zu berichten.

Aber nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch empfehlen, weil es einen umfassenden Überblick über die weltweit immer weiter fortschreitende Globalisierung bietet und sie im sozial-ökonomischen Kontext einordnet.

Das Sommerloch naht …

Wenn’s sonst niemand tut, muss sich die Bundeskanzlerin eben selbst loben. Also tischte Angela Merkel der Hauptstadtpresse am Mittwoch erst einmal auf, was aus ihrer Sicht im Trubel von Anfangsfehlern, Koalitionsquerelen und Querschüssen aus der eigenen Partei untergegangen war: Deutschland sei besser aus der Krise herausgekommen als fast alle anderen Industrieländer: mit weniger Schulden, weniger Arbeitslosen und der Aussicht, eine „wachstumsfreundliche Haushaltskonsolidierung“ hinzubekommen. Das soll ihr doch erst einmal einer nachmachen. (…) (FAZ vom 21. Juli 2010)

So kann man es natürlich auch ausdrücken; machen wir es einfach wie die deutsche Nationalmannschaft: erfinderischer-kreativer und vor allem offensiver Angriffsfussball. Merkel ist schon der neue Müller!

Doch wie im Fussball gilt auch in der Politik: Nach der WM ist vor der EM – oder auch; nach der Sommerpause wird es so sein wie vor der Sommerpause…

(via)

Missbrauch in der Entwicklungshilfe: Täter statt Wohltäter

Die Konfession entscheidet lange nicht mehr über Wohl und Wehe. Jetzt hat es auch die evangelische Kirche an die mediale Oberfläche mit dem Thema “Missbrauch” gespült. Wie in dem Kommentar von Matthias Kamann angedeutet kann man schon lange nicht mehr nach irgendwelchen Glaubens – oder anderen Klassifikationen unterscheiden. Das Thema hat die Gesellschaft schon längst unterwandert und schwelt schon seit sehr langer Zeit vor sich hin, bevor es zum wirklichen Ausbruch gekommen ist.

Vor allem die unzähligen Einzelschicksale, die unzähligen Leidenden – ja sogar die unzähligen Menschenleben, die von Missbrauch in egal in welcher Form zerstört wurden, sind unbegreiflich. Alleine wenn man Statistiken (was meines Erachtens allein schon ein grausiger  Begriff in diesem Kontext ist) liest, überlegt man sich im Stillen dann doch “Was wäre gewesen wenn ich Teil dieses “Prozentsatzes” gewesen wäre?! Wie würde ich heute leben, wie sehr hätte mich es gebrochen, wenn mir so etwas widerfahren wäre?!”

Es ist wirklich unbegreiflich wo überall Menschen ausgenutzt, gedemütigt und drangsaliert werden. Es ist sicherlich auch naiv zu glauben, dass es so etwas vor und nach dem “Mediengang” vieler Opfer nicht mehr geben wird. Aber das wirklich perfide ist, dass v.a. die Menschen, welche das Leid ertragen müssen,selbst zu den schwächsten und schutzbedürftigsten überhaupt gehören.

So auch (was mich wirklich, wirklich sehr nachdenklich gestimmt hat) in den “Entwicklungsländer”, was eigentlich noch nicht das perfide ist. Sondern es  ist die Selbstverständlich unter dem  “Deckmäntelchen – Entwicklungshilfe” in fremde Länder vor zu dringen und dann schamlos diese “Rolle” auszunutzen und Menschen, vor allem Kinder die wirklich auf Hilfe angewiesen wären, zu missbrauchen.

Dabei bleibt laut Studie die überwältigende Mehrheit der Übergriffe ungemeldet und unbestraft. “Der Bericht ist nur die Spitze des Eisbergs”, betont Dähne. “Es ist ganz schwierig, das Schweigen zu brechen.” Die Kinder und auch ihre Familien hätten Angst. Entwicklungshelfer stellten eine Autorität dar, und die Opfer würden stigmatisiert. “Die Kinder denken, sie haben etwas falsch gemacht, deshalb sei es ihnen passiert.”

Diese Menschen besitzen überhaupt keine Plattform um Fälle des Missbrauchs anzuprangern. Sie sind auf Hilfe angewiesen und begeben sich (unfreiwillig) in ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis.

Auch bei “Save the Children” hat es Missbrauch gegeben. Der Bericht nennt für 2007 insgesammt 15 Verdachtsfälle. Davon waren acht eigene Mitarbeiter und sieben von Partnerorganisationen. In drei Fällen bei “Save the Children”-Angestellten bestätigte sich der Verdacht, die Täter wurden entlassen.

In fremden Ländern ist der Arm des Gesetzes noch weiter weg wie bei uns. Selbst für viele hier verjährt die Tat nach mehreren Jahren, doch bleibt sie ewig für die Geschädigten. Aber für Menschen in Entwicklungsländer ist die Situation noch viel prekärer, sie sind den “Helfern” in einem fasst “Rechtsfreien Raum” schonungslos ausgesetzt.

wewiblog.de wird zu satzgrund.de

… aber ich bin noch der gleiche!

Nach einer langen Pause durch Studium etc. hab ich mich für einen Neustart und einer Neuausrichtung des Blogs entschieden und will mich jetzt wieder intensiver mit Blog&Twitter beschäftigen. Der Begriff WeWi (Weltwirtschaft) war mir schon immer viel zu eng gefasst, nun sollen Themen der Politik und Gesellschaft dazu kommen.

Ich hoffe viele Leser des WeWi-Blogs (es waren doch einige) finden den Weg auf die neue Seite.

Das Ende der Armut – Jeffrey D. Sachs

Das Thema Entwicklungshilfe und -Politik ist eines der komplexesten der gesamten Ökonomie und beinhaltet verschiedenste Teilaspekte, die in ein empfindliches Gleichgewicht gebracht werden müssen.

Das Ende der Armut - Sachs

Das Ende der Armut - Sachs

Da es meistens nur Werke gibt, die die Situation sehr analytisch und methodisch betrachten, bin ich auch immer darüber froh, dass es auch einiges an “Trivial-Literatur” zu diesem Thema gibt. Ich finde es einfach wichtig finde, dass auch Menschen die nicht die gesamten wirtschaftlichen Grundkenntnisse beherrschen, einen Zugang zur Thematik bekommen.

Jeffrey Sachs

Jeffrey Sachs

Der Autor Jeffrey D. Sachs, selbst studierter und auch renommierter Ökonom, versucht einen Weg aufzuzeigen, der die weltweite Armut besiegen könnte. Ich verwende hier sehr wohl den Konjunktiv, da er sich selber  ausdrücklich nicht als den “Allheilsbringer” der Weltwirtschaft sieht.

Gerade die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt wieder, wie vernetzt doch unser globales Wirtschaftssystem mittlerweile ist. So leiden nicht nur “Wir” darunter, sondern genauso Menschen in der Dritten Welt, die die Ausmaße der Krise selbst noch viel stärker mittragen müssen.

Das Buch nimmt Bezug auf viele Krisenherde auf unserer Welt bezogen auf Armut, Leid und Elend (die Begriffe sind natürlich nicht gleichzusetzen). Da der Autor selbst schon Regierung bei der Krisenbewältigung unterstütz hat, kommen sehr anschauliche Beispiele zu tage, die einem das Verständnis der komplexen Thematik erleichtern.

Für mich persönlich war das Buch sehr horizonterweiternd und informativ. Das alles in der gut verständlichen und anschaulichen Art und Weise, die selbst denjenigen ansprechen dürfte, der sich eigentlich sonst nicht so sehr mit der Weltwirtschaft beschäftigt.

-.-.-.-

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