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... der Sache auf den Grund gehen

Month: März 2012 (page 1 of 2)

Stabile Ressourcen – labile Regionen

Die Infografik ist zwar schon einwenig in die Jahre gekommen (2003), aber an der grundlegenden Bedeutung hat sich kaum etwas geändert – sondern vielmehr hat sich die Situation noch weiter verschärft. Man kann in manchen Regionen schon fast von einem „Rohstofffluch“ für die betroffenen Länder sprechen. Eigentlich müsste es ja ein Segen sein… Sehr interessant sind auch die Antworten zu den wichtigsten Fragen zum Thema im Anschluss.

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„Haben Spekulanten den Ölpreis nach oben getrieben?

Diese These lässt sich nur schwer belegen – allerdings sind sowohl spekulative Hedgefonds als auch größere Publikumsfonds in den vergangenen Monaten auf den Rohstoff-Zug aufgesprungen. Denn während am Aktienmarkt Flaute herrscht, lassen sich mit Öl und Gold derzeit traumhafte Renditen erwirtschaften. Sogar Kleinanleger mischen über Optionsscheine und andere Derivate verstärkt auf dem Ölmarkt mit.

Wieso produzieren die Mineralölkonzerne nicht einfach mehr Öl?

Das Nadelöhr ist die zu geringe Raffinieriekapazität, die sich nicht von heute auf morgen aufstocken lässt. Heute getätigte Investitionen führen erst mit einer Zeitverzögerung von fünf bis zehn Jahren zu einem größeren Rohölangebot.

Wie groß ist der Einfluss der Opec?

Die Organisation Erdöl Exportierender Länder (Opec) produziert etwa ein Drittel der täglich verbrauchten Rohölmenge. Auch die meisten Opec-Länder haben die Nachfrage lange Zeit unterschätzt und können nun nicht gegensteuern. Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro bleibt nun nichts anderes übrig, als die weltweite Rohölversorgung tapfer als „angemessen“ zu bezeichnen. Die Opec hat die USA am Mittwoch aufgefordert, ihre strategischen Öl-Reserven zur Senkung des Ölpreises einzusetzen. Der Appell ist ein weiteres Eingeständnis von Schwäche. Bisher hatte das Kartell staatliche Ölreserven als Bedrohung für ihren eigenen Markteinfluss betrachtet.

War Öl schon jemals so teuer wie heute?

Ja. Mit einem Preis von 55,58 Dollar je Barrel (159 Liter) wurde in New York am Montag zwar der höchste nominale Preis aller Zeiten festgestellt. In der Vergangenheit lagen die inflationsbereinigten Ölpreise allerdings deutlich höher. Nach den Preismaßstäben von heute entsprach der Preis je Barrel im Februar 1981 etwa 80 Dollar – das war der absolute Rekord.

Warum ist dann der Preis so stark gestiegen?

Das Kernproblem ist nach Ansicht von Ölanalysten, dass die großen Ölproduzenten in den späten neunziger Jahren nicht mit einer steigenden Nachfrage gerechnet haben. Entsprechend investierten sie nur wenig in neue Förderanlagen und Raffinerien. Einem seit Jahren kaum veränderten Ölangebot steht eine boomende Nachfrage gegenüber: In diesem Jahr wird der Ölbedarf weltweit um 2,7 Millionen Barrel pro Tag steigen – das liegt vor allem am Wirtschaftsboom in China und anderen asiatischen Ländern sowie an dem ständig steigendem Energieverbrauch der USA.“ Mehr findet ihr auf … (Spiegel)

 


Traue keinem Bild, das du nicht selbst geschossen hast

Hab einen interessanten Artikel zum Thema Fotojournalismus gefunden. Da gilt vor allem der Grundsatz:

„Journalistische Bilder sind objektiv und zeigen die Wirklichkeit. Mit dieser naiven Vorstellung räumt der italienische Fotograf Ruben Salvadori gründlich auf.“ (Zeit)

Dafür hat er das Projekt „Photojournalism Behind the Scenes“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt ist auch ein Teil seines eigenen Lebensweges. Mit der Fotografie begann der 22-Jährige während seines Studiums der Internationalen Beziehungen und Anthropologie in Jerusalem. Fotografie stellte für ihn ein Mittel dar, um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser für sich selber besser verarbeiten zu können. Meist war er mitten im Geschehen und bekam die Aggressivität und Gewaltausbrüche hautnah mit. So entstanden sicherlich beeindruckende und auch verstörende Bilder, in dem der Hass meist fast schon spürbar wurde.

Aber daran sieht man auch, was für eine Macht Bilder besitzen. Sie vermitteln uns Eindrücke von Gegenden, die wir selber nicht besuchen können bzw. wollen. Der Mann am Auslöser bestimmt, was für Emotionen er bei uns auslöst. Er entscheidet darüber, wie wir die Welt sehen. Also sind es nicht nur geschriebene Texte, die unsere Meinung bilden, es sind vor allem auch Bilder. Bilder haben keine Verständnisbarrieren, man kann Analphabet sein und sie trotzdem interpretieren können. Deshalb liegt in ihnen ein solch starkes Potential und damit auch sicherlich ein Missbrauchspotential.

„Aus den grimmig schauenden Sicherheitskräften, bei denen der Betrachter gleich die wütenden Demonstranten auf der anderen Seite mitdenkt, werden so drei Polizisten, die auf einer leeren Straße miteinander reden. Ganz nah vor ihnen kniet der Fotograf. Von Gewalt keine Spur.

Andere Bilder entlarven, wie Jugendliche mit vermummten Gesichtern, in der Hand Steine, im Hintergrund Rauch und Flammen, nur für die Aufnahme posieren. Auch hier zeigt Salvadori: Der Konflikt, den das Foto belegen soll, findet eigentlich nicht statt. Jedenfalls nicht an diesem Ort, nicht zu dieser Zeit.“ (Zeit)

Eine (Foto-)Aufnahme ist eine Aufnahme, eine Momentaufnahme. Sie vermittelt den Istzustand und dieser ist auch nur Ausschnittsweise zu erfahren. Salvadori führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, das Bild hinter dem Bild zu sehen und nicht durch einen Ausschnitt den Rest zu induzieren. Das brachte dem Italiener auch schon Kritik seiner Kollegen ein. Für sie zieht er den Ruf der Berufsgruppe in den Schmutz.

„Die eigentliche Stärke von Salvadoris Projekt liegt deshalb darin, etwas wieder ins Bewusstsein zu holen: Das sind alles bloß Menschen, vor wie hinter der Linse, unabänderlich subjektiv, mit eigener Perspektive, eigenen Interessen. Im Grunde ist es ein Appell an seine Kollegen, immer wieder neu das eigene Tun zu reflektieren.“ (Zeit)

Aber es soll auch nicht alles am Fotografen ausgelassen werden. Er ist nur ein Teil einer riesigen Verwertungskette, die immer weiter darauf bedacht ist, Sensationen zu generieren. Daran haben Bildbearbeiter, genauso wie Redakteure die die Bilder benutzen, ihren Anteil. Aber es ist ein schönes Projekt, dass auf jedenfall dafür sensibilisiert, dass man in Bilder nicht nur die meist sensationelle „Realität“ sieht, sondern sich – wie schon erwähnt – auch um das Bild hinter dem Bild bemüht.

Oben seht ihr ein paar Beispielfotografien, dass ihr versteht um was es geht ( © Ruben Salvadori)

Strom autonom: Bürger treiben Energiewende an

Netzausbau, Bau von neuen Pumpspeicherwerken und vieles mehr … was so scheinbar alles gebraucht wird um die Energiewende voran zutreiben. Doch schaut man mal genauer hin und nicht mit den Augen der Strom/Energie-Lobby, gibt es schon viele praktikable Ansätze, die es heute schon ermöglichen könnten einen Schritt näher zur umweltfreundlichen Energieautarkie zu kommen. Fernsehbeitrag vom quer-magazin.

Interessante Links zum Thema:

Bund der Energieverbraucher 

Vorbild Bio-Energiedorf: Oberrosphe (Video-Ard)

Ökotipps zum Thema Strom sparen (BUND)

dradio.de: Zu faul zum Anbieterwechsel Auch beim örtlichen Energieversorger kann man Geld sparen

Ahmadinedschad im Interview – Im Osten nichts neues

Claus Kleber (ZDF) hatte nach über vier Jahren der Bemühungen um ein Interview mit Irans Präsidenten, nun endlich dazu die Chance bekommen. Gerade in der jetzigen Zeit, in der es um zentrale Fragen der Weltsicherheit geht, ist es sicherlich besonders spannend wie Ahmadinedschad auf sicherlich teils sehr kritische Fragen reagieren wird.

Man kann sagen, dass die zentrale Botschaft von Ahmadinedschad im Interview „Wir bauen keine Atombombe“ ist, damit weist er all die Vorwürfe des Westens bezüglich eines illegalen Atomwaffenprogramms weit von sich. Es sei vielmehr die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die sich nicht an Abkommen halte und den Iran ungerecht – in den Augen Ahmadinedschad – behandle.

Er versucht zu jeder Zeit des Interview (jedenfalls verbal) gleichzeitig Stärke und auch Gelassenheit zu demonstrieren, in dem er meist von einer „großen Nation“ redet. „Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen möchte oder will, wird er das bekanntgeben“, sagte der Politiker.  Obwohl er selbst gar nicht die Kompetenz inne hat dies alleine zu entscheiden, da der Oberste Führer des Landes Ajatollah Ali Chamenei ist.

Für ihn ist Israel ein rein künstlicher Staat, dem man seine Existenzrechte absprechen sollte. Aber auch zum Thema „Holocaust“ äußert er sich mit der schon wohl bekannten Aggressivität, in dem er ihn immer noch als „Lüge“ bezeichnet.

„Das Interview wurde am Sonntag im Präsidentenpalast in Teheran aufgezeichnet. Seit vier Jahren habe sich das ZDF um ein Gespräch mit Ahmadinedschad bemüht, sagte Kleber am Montag zu SPIEGEL ONLINE. Die Themen seien nicht vorab abgesprochen worden.

Der Iraner habe sich als „ernsthafter und entspannter Gesprächspartner“ gezeigt. Anstatt der zuvor vereinbarten 20 Minuten habe Ahmadinedschad 45 Minuten lang Rede und Antwort gestanden. Dabei habe er jedoch „keinerlei Offenheit“ für gegensätzliche Ansichten gezeigt, so Kleber. Teile des Interviews sollen am Montagabend im „heute-journal“ des ZDF ausgestrahlt werden. Das komplette Gespräch soll dann auch auf der Internetseite des Fernsehsenders abrufbar sein.“ (Spon)

Man darf sich von so einer Intoleranz sicherlich nicht blenden lassen. Das Interview gibt leider auch nicht besonders viel neues preis, weil Ahmadinedschad sehr bald in seine gewöhnliche „schwarz-weiß-Sichtweise“ verfällt und selbst keine Eingeständnisse anbietet und die Fehler nur bei anderen sucht. Dennoch sollte sich jeder selbst eine Meinung darüber bilden können, deshalb habe ich das Interview angehängt.

Die Welt rüstet auf

Es ist alarmierend und erschreckend zugleich. Aktuelle Studien vom Forschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) zeichnen dunkle Zukunftsvisionen. Alleine in den letzten fünf Jahren soll der globale Waffenhandel um ein Viertel gewachsen sein und Deutschland spielt ganz oben mit in der Exportliga. Es wird nur noch von den USA (30 Prozent) und Russland (24 Prozent) übertroffen.

Die Bundesrepublik exportierte laut Sipri  unter anderem U-Boote und Fregatten. Die wichtigsten Absatzmärkte seien Griechenland, Südkorea und Südafrika gewesen. An vierter Stelle stehe Frankreich (acht Prozent), an fünfter Großbritannien (vier Prozent).

Sipri

Der größte Importeur soll Indien sein, mit einem Anteil über zehn Prozent. Gründe dafür sind vor allem der andauernde Kaschmir-Konflikt und der Kampf gegen den Terrorismus. Auch die anderen großen Importeure (neben Indien) stammen aus Asien – Südkorea, Pakistan, China und Singapur.

„Mit einem Anstieg um 580 Prozent steigerte vor allem Syrien die Waffenimporte seit dem Jahr 2002 deutlich. 72 Prozent der syrischen Waffen kämen aus Russland, das die syrische Regierung trotz des amerikanischen und europäischen Waffenembargos weiter mit Waffen beliefere, hieß es in dem Bericht.“ (Spon)

Weitere bemerkenswerte Fakten aus der Studie:

  • In 2011 Saudi Arabia placed an order with the USA for 154 F-15SA combat aircraft, which was not only the most significant order placed by any state in 2011 but also the largest arms deal for at least 2 decades.
  • Greece’s arms imports decreased by 18 per cent between 2002–2006 and 2007–11. In 2007–11 it was the 10th largest arms importer, down from being the 4th largest in 2002–2006. Greece placed no new order for major conventional weapons in 2011.
  • Venezuela’s arms imports increased by 555 per cent between 2002–2006 and 2007–11 and it rose from being the 46th largest importer to the 15th largest.
  • The volume of deliveries of major conventional weapons to states in North Africa increased by 273 per cent between 2002–2006 and 2007–11. Morocco’s imports of major weapons increased by 443 per cent between 2002–2006 and 2007–11.

Kony 2012 – Emotionen leiten

Ehrlich gesagt, habe ich mich ertappt, wie ich mich blenden ließ. Und das obwohl ich dachte, ich sei durch-und-durch ein rational denkender Mensch, der immer von einer einigermaßen gefestigten Objektivität zehren kann. “Nein, ich lasse mich doch nicht von Werbung beeinflussen!“ „Und Nein, ich habe eine eigene Meinung und lasse mir nichts von Medien, Organisationen oder sonstigen Akteuren aufzwingen!“ – dachte ich jedenfalls. Aber jetzt in der Retroperspektive muss ich mir wohl doch eingestehen, dass es bei weitem nicht so einfach ist. Dabei ist Emotionalisierung sicher ein Werkzeug, das solche innerlichen Zurückhalte ziemlich schnell zum Einstürzen bringen kann.

Ein aktuelles Beispiel zu diesen Überlegungen ist die gerade gestartete Kampagne „KONY 2012“. Die Ziele der Organisationsind: den Rebellen Führer Joseph Kony zu verhaften, seine Rebellengruppe LRA zu entwaffnen und deren Kindersoldaten „zurück nach Hause zu bringen“.

„Joseph Kony is one of the world’s worst war criminals and I support the international effort to arrest hime, disarm the LRA and bring the child soldiers home.“

Das Mittel um die Kampagne zu verbreiten ist das Social Web und das Medium ist ein hoch-emotionaler Film, der mich ehrlich gesagt stark berührt hat. Klar ist es nicht der erste Film den ich zu dieser Thematik gesehen habe und klar ist mir das Thema nicht völlig fremd. Doch dieser halbstündige Film hat mir doch wieder das Thema Afrika-Konflikt komplett zurück auf den Schirm geholt. Und ich dachte gleich „Vielleicht ist Social Media nicht nur gut, um Shitstorms gegenüber Bundespräsidenten und herzlose Fondmanager los zutreten, sondern vllt. dieses eine mal kann es einen „richtigen“ Massenmörder zu Fall bringen“.

So war ich von der Kampagne begeistert und dachte, wie so viele andere Menschen auch, lass uns liken/verlinken/sharen… Ich hatte schon einen ganz anderen Text mit entsprechend eingebunden Video vorbereitet, doch bin ich davon ein wenig abgekommen. Nachdem ich mich dann doch mehr in das Thema eingelesen hatte und ein wenig zu der Organisation recherchiert hatte, hat sich mein Bild über die Kampagne ein wenig gewandelt. Das Bild das zunächst mit dem Video und dessen Emotionalität aufgebaut wurde, hat die darauf folgende „Objektivitätsphase“ wieder bröckeln lassen. So bin ich darauf gestoßen, dass es schon in der Vergangenheit Unstimmigkeiten in der Spendenpolitik der Organisation gegeben haben soll. Auch die Tatsache, das die Kampagne direkt das ugandische Militär unterstützt, hinterlässt zumindest keinen friedlichen Beigeschmack.

Besonders treffend hat es sicherlich Johnny Haeusler mal wieder formuliert, der mir mit seinem Text teilweise echt aus dem Herzen spricht.

„Sollten die vielen Distributoren durch diesen Clip dazu animiert worden sein, sich tiefer in die Gräueltaten des irren Massenmörders Joseph Konyund die LRA einzulesen; sollten sie dadurch auf weitergehende Informationen zu den komplexen Problemen in Uganda und anderen afrikanischen Staaten oder den schwierig zu beantwortenden Fragen rund um internationale Hilfe für diese Staaten neugierig geworden sein; sollte der Clip gar dauerhaftes persönliches Engagement in Sachen Menschenrechte angespornt haben … dann ist das gut.

Falls der Clip aber nur weitergereicht wird, weil er zutiefst erschütternd ist und man hofft, allein mit seiner Verbreitung etwas zu ändern, falls jemand glaubt, der Mann wäre erst jetzt und durch dieses Video im Visier von Menschenrechtsorganisationen und anderen, falls jemand gar Geld an Invisible Children geschickt hat – dann bitte ich darum, vor dem nächsten SHARE-Klick doch noch ein paar Stunden der eigenen Recherche zu investieren, ich liefere hoffentlich mit den Links in diesem Posting einige nützliche Startpunkte.“

Emotionen sind etwas wichtiges in unserem Leben, doch sollten wir uns gerade im Internet darauf besinnen wie wichtig es doch ist, sich dennoch selbst eine eigene möglichst objektive Meinung zu bilden. Es ist zwar nur ein „like“ oder „share“, doch die virale Komponente im Web kann draus sehr schnell eine Lawine machen. Lawinen können in diesem Falle auch gut sein, doch „(…)vor dem nächsten SHARE-Klick doch noch ein paar Stunden der eigenen Recherche zu investieren (…)“. Versteht mich bitte nicht falsch, solche Themen sind richtig und wichtig und werden viel zu selten in das aktuelle Tagesgeschehen aufgenommen. Es ist ein unfassbares Leid, welches Menschen wie Kony über ganze Völker bringen können. Solche grausamen Dinge sind nun mal emotional aufgeladen, doch sollten wir uns trotzdem nie davon blenden lassen.

Die Zeit bzw. der dort ziterte Blog hat es folgendermaßen formuliert:

„Vielleicht sollte man an dieser Stelle die Umsetzung von der Idee trennen. Musa Okwonga, dessen Familie aus Uganda stammt, fasst im Blog des britischen Independent die Meinung vieler Internetnutzer zusammen:

I understand the anger and resentment at Invisible Children’s approach, which with its paternalism has unpleasant echoes of colonialism. I will admit to being perturbed by its apparent top-down prescriptiveness, when so much diligent work is already being done at Northern Uganda’s grassroots. On the other hand, I am very happy – relieved, more than anything – that Invisible Children have raised worldwide awareness of this issue. […] I don’t think that Invisible Children are naive. My hunch – and hope – is that they see this campaign as a way to encourage wider and deeper questions about wholly inadequate governance in this area of Africa.“

UPDATE

Die Debatte ob die Kampagne in Ihrer jetzigen Form gut oder nicht gut ist nimmt kein Ende. Als Beispiel dafür ist der Eintrag von Alex zu nennen oder von Alex Miller von Vice, der sehr gut den Zwiespalt zeigt indem wir stecken.

Indien der „Fließenleger“ der Welt

Jerzy / pixelio.de

Indien – Land der Superlativen. Die landschaftliche, geschichtliche und kulturelle Vielfalt entspricht eher der eines eigenes Kontinents. Mit mehr als 1 Milliarde Menschen auf mehr als 3,2 Mio. qkm Staatsfläche, einer maximalen Höhe von 8586 m und Sehenswürdigkeiten wie dem Taj Mahal, hat Indien gleich mehrere Superlative aufzuweisen.
Trotz der Überbevölkerung hat sich Indien besonders in den letzten 30 Jahren von einem Entwicklungsland zu einem Schwellenland und dann zu einer aufstrebenden Nation an der Schwelle zum 21. Jhd. entwickelt. Vor allem in Sachen neue Technologien – im besonderen auf dem IT-Sektor – zählt Indien zu den ganzen großen. Auch der Reichtum an Bodenschätzen sichert dem Land einen Platz an der Spitze der wirtschaftlichen Entwicklung in der Zukunft.

Doch dieser rasante Aufstieg hat auch seinen Preis. Da vor allem der indische Dienstleistungsbereich boomt, wird hier zwar Wirtschaftswachstum generiert, aber es wurden nur Arbeitsplätze für vergleichsweise wenig Inder geschaffen – die ‚neue Mittelschicht. Der weit aus größere Bevölkerungsteil ist immer noch mit der traditionellen Landwirtschaft verwurzelt. Hier ist gegenteiliges der Fall: In diesem Sektor arbeiten vergleichsweise viele Menschen, tragen aber verhältnismäßig wenig zum BIP bei. Somit müssen die meisten Inder immer noch mit Armut und deren Folgen kämpfen.

Armut ist ein sehr schwammiger Begriff. Die Weltbank definiert den Menschen als arm, der mit weniger als zwei US-$ am Tag auskommen muss.

Nach dieser Definition waren im Jahr 2001 826 Mio. (79,9 %) der Inder arm. Zum Vergleich zum Jahre 1981 waren es ca. 200 Mio. mehr. Auch der HDI (Human Development Index) nimmt für viele Teile Indien einen sehr niedrigen Wert an. Bei diesem Index wird nicht nur rein das BIP einbezogen, sondern auch andere Faktoren wie Lebenserwartung und der Bildungsstand. „Bei einem Vergleich indischer Bundesstaaten zeigt sich, dass die Entwicklung in Bihar, dem Bundesland mit dem geringsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, am schlechtesten ist: Wäre Bihar mit seinen 80 Millionen Einwohnern ein eigener Staat, dann würden weltweit nur 10 Staaten noch geringere Werte aufweisen. Auch die Bundesstaaten Uttar Pradesh, Rajasthan, Madhya Pradesh und Orissa in Zentralindien schneiden schlecht ab. Als Ursachen dafür gelten der niedrige Bildungsstand der Bevölkerung, eine schlechte Infrastruktur sowie das starke Bevölkerungswachstum in diesen Bundesstaaten.“ (Bronger / Wamser 2004: 358) Mehr als 90% der Menschen im erwerbsfähigen Alter haben keine feste bzw. vertraglich geregelte Arbeitsstelle.

Aber vor allem die Kinder leiden unter diesen Bedingungen. Zwar sinken die Analphabetenrate (1950:80% – 2001:35%) und die Kindersterblichkeit (je 1000 1960:242 – 2003:87), aber Kinderarbeit gilt noch immer als gang und gäbe.

Zwar verbietet die Indische Verfassung sowohl Menschenhandel als auch Zwangsarbeit und fordert, dass Kinder in einem gesunden Umfeld in Freiheit und Würde leben können und dass Kindheit und Jugend vor Ausbeutung sowie moralischer und materieller Vernachlässigung geschützt werden, doch existiert eine entscheidende Lücke weiterhin: Heimarbeit gilt als privat und ist daher nicht gesetzlich geregelt. Die rechtliche Grundlage für eine Verhinderung von Kinderarbeit ist also durchaus gegeben, wie werden diese Gesetze nun doch wieder umgangen?

Zum Beispiel führen viele Ermittlungen gegen den Arbeitgeber nur in den aller wenigstens Fällen zu Verurteilungen. Binnen 5 Jahren gab es nach Angaben der indischen Regierung zwar 1.332.607 Inspektionen, bei denen 21.246 Verstöße festgestellt wurden. Doch es kam nur zu 6.305 Verurteilungen (Government of India: 2004) Vor dem Hintergrund, dass in Indien viele Millionen Kinder arbeiten und deren Arbeit oftmals im Alltagsleben zu beobachten ist, sind 6.305 Verurteilungen eher ein Beleg für das Scheitern der Regierung denn ein Erfolg im Kampf gegen die Kinderarbeit. Gewerkschaften kritisieren daher, die Gesetzgebung sei nie wirklich angewandt worden (ICFTU 2004: 5)

Deshalb arbeiten viele der Kinder – denen eigentlich per Gesetz eine Schulausbildung bis zum 14 Lebensjahr zugesichert ist – dennoch in nicht erlaubt Bereichen. Laut Regierung arbeiteten im Jahr 2001 rund 12,5 Millionen (5 Prozent) der 252 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren (Government of India 2004). Eine Studie, die von indischen Ministerien und UNICEF im Jahre 1994 herausgegeben wurde, geht dagegen von 90 Mio. arbeitenden Kindern aus (Stella 2003: 10). Laut einer landesweiten Umfrage aus dem Jahr 2000 arbeiten rund 14 Prozent der Kinder mindestens 4 Stunden täglich und somit mindestens 28 Wochenstunden (MICS 2001: 33).

ILO/M. Crozet

Gründe für die Anstellung von Kindern liegen auf der Hand. Sie gelten einfach als billigste Arbeitskraft, denen nur Nahrung und Unterkunft gewährt werden müssen. Kinder erhalten wesentlich geringere Löhne als Erwachsene. Kinder sind sich ihrer Rechte weniger bewusst, sie sind gefügiger, führen Aufgaben bereitwillig aus und leisten monotone Arbeiten, ohne sich zu beklagen.

Als ein Beispiel für einen Bereich, der massiv von Kinderarbeit durchzogen ist, gilt der der Steinindustrie. Dieser Sektor beschäftigt um die 1 Mio. Menschen und weltweit werden dort etwa 30 % aller gewonnen Steine abgebaut. Dabei steigt der Export der Steinprodukte in den letzten Jahren rasant an. Von Denkmälern und Grabsteine, zu Skulpturen und Platten aller Art. Alleine nach Deutschland betrug das Volumen in den letzen Jahren um die 40 Mio. Euro. Diese Zahl ist aber eher zu gering, da viele Importe z.B. aus China, ursprünglich doch aus Indien kommen.

Die Arbeit ist hart und die Arbeitsbedingung sind es auch. Da die Arbeit größtenteils manuell – mit bloßen Händen – durchgeführt wird, ist es ein Knochenjob. Durch die Anstellung von Kindern wird das Lohnniveau ins Unermäßliche gesenkt. Viele der Kinder leisten sozusagen die Schuld der Eltern ab und begeben sich selbst wieder in ein System der Schuldknechtschaft, das ihre Kinder selbst wiederum darin gefangen hält. Die Folgeschäden für die Kinder ist meist kaum abzusehen. Kinder, die von morgens bis abends harte körperliche Arbeit leisten, kämpfen mit gravierenden Folgen für Körper und Seele. Dies gilt sowohl für die arbeitenden Kinder als auch für Erwachsene, die ihre Gesundheit für Hungerlöhne ruinieren.

Somit müssen sich gerade staatliche Großabnehmer die Frage stellen, ob diese „Blutige Pflastersteine“ (SPIEGEL) überhaupt in irgendeiner Art und Weise zu verantworten sind. Ich meine nicht. Vielmehr sollte ein verantwortlicher Einkauf dieser Steine forciert werden.

„KundInnen aus Deutschland – seien es Kommunen, Firmen oder Privatpersonen – können Einfluss auf die Erfüllung dieser Forderungen nehmen, wenn sie den indischen Herstellern soziale und ökologische Produktionskriterien vorgeben. Sie sind dabei keineswegs machtlos, denn die stark expandierende indische Steinindustrie hat ein hohes Interesse daran, ihre Exporte auszubauen. Solchen Bestrebungen schadet eine öffentliche Diskussion in den Heimatstaaten potentieller KundInnen: Allein die Selbstverpflichtungen großer deutscher Kommunen, keine Steine aus Kinderarbeit zu kaufen8, führen aus indischer Sicht zu einer Gefährdung von Millionengeschäften. Die zur Zeit vorangetriebene Einführung eines Siegels für den Import von indischen Grabsteinen aus Granit geht in eine ähnliche Richtung.“ (welthungerhilfe)

(via Welthungerhilfe)

 

Wulffs – Playlist

Beim großen Finale lässt sich Bundespräsident a.D. Christian Wulff nicht lumpen. Anstatt den üblichen drei Wunschsongs, entschied sich Wulff gleich für vier Titel. Somit geht er wie er gekommen war – ohne Maß …




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