Fussball ist toll, macht Spaß – egal ob man selber zum Ball greift oder es im TV verfolgt (Jedenfalls für mich). Bei manchen Spielen freut man sich schon den Tag über auf den Abend oder sogar die Woche über. Momentan ist wieder so ein Zeitfenster der völligen “Fussball-Schau-Befriedigung” kurz F.S.B. – in Fachkreisen auch EM genannt.

In Momente wie diese, wo man wieder seinen Horizont auf den eigenen Vorgarten – mit Grill, Bier und Fussballglotze – reduziert, geschehen auf der Welt so manch andere Dinge, die diese paradiesische Ignoranz vielleicht ein wenig erschüttern könnten. Wobei, wir lassen uns diese Zeit doch nicht vermiesen! Es ist herrlich, wie so ein primitives Spielsystem die Menschen begeistern kann. Einfach mal Ablenkung vom Alltag von Beruf, Stress mit den Kids, Benzinpreise, Wehwehchen, Griechenland am finanziellen Abgrund, Missstände in der Ukraine, Blutiger Konflikt in Syrien, Kinder im Krieg…

Es ist wieder einmal bemerkenswert wie stark solche Themen auf der (medialen) Weltbühne untergehen, sobald ein Ball rollt. Ich will nicht falsch verstanden werden: Wir sollten nicht die ganze Zeit aufgrund schrecklichen Nachrichten und Dinge in einer Schockstarre  verharren und unseren Alltag “opfern”. Aber sollten wir uns durchaus im Klaren sein, über was alles ein “Schleier” gelegt werden kann. Bis auf die Tatsache, dass viele Staats- und Regierungschef den Spielen fernbleiben, bekommt man nicht mehr viel über die gravierenden Missstände im Austragungsland Ukraine mit. Die Kritik ist aus den Medien erwartungsgemäß wie weggewischt und wurde ersetzt von Berichte aus den Nationalmannschaftslagern Europas.

Diese “mediale Überschwemmung” schwemmt weitreichende, akut brenzlige Themen aus dem Bewusstsein der Menschen. Syrien ist noch weiter weg als davor und diplomatische Schritte werden mit einer geringeren internationalen Aufmerksamkeit sicherlich nicht einfacher. Und dies ist nur ein Beispiel unter vielen.

Lösung: Abschaffung von Brot und Spiele? Sicherlich nicht! Doch sollte das Bewusstsein durchaus geschärft werden, vor allem in den Köpfen der Medien, dass es vor allem in ihrem Aufgabenbereich liegt, andere Themen nicht aufgrund eines Sportgroßereignisses unter den Tisch fallen zu lassen – nur um die erhöhte Aufmerksamkeit in Zuschauer- und Leserzahlen umzumünzen.

Nachtrag: Lesenswerter Artikel bei der FAZ – Die Regie spielt falsch

Nachtrag 2: Die Realität rund um die EM eingefangen und nicht durch Hochglanz-Fernsehbilder verwaschen “Eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz