Es waren einmal zwei Ströme, die meist parallel zueinander flossen…

Der eine hielt das Jahr 2006 als Startpunkt eines neu erstarkten Wir-Gefühls. Endlich konnte man mal wieder auf sein Vaterland stolz sein und ließ sich manchmalsogleich hinreissen zu Aussagen wie: „Jetzt ist die Zeit da, um auch auf solche Dinge stolz zu sein, ohne gleich als Nazi abgestempelt zu werden“. Sätze wie „Deutschland entdeckt sich neu“ oder „Gesunder Patriotismus“ machten die Runde. Auch die positiven Reaktionen aus dem Ausland machten den Strom, der anfangs noch ein Rinnsal an der Quelle Fussball war, zu einem reissenden Fluss, der viele Menschen – auch ganz ohne Fussballinteresse – mitriss. Schlussendlich mündete er in einer neugeborenen Akzeptanz des Patriotismus, der ganz ohne Nationalismus auskommen sollte.

Zeitnah kam es zum Entspringen eines weiteren Rinnsal – ganz wo anders in der Republik. Er schwemmte viele Zweifel, über das Fahnenmeer und die neu begründete ausufernde Liebe zum Vaterland, mit sich. Die dunkle Vergangenheit sollte nicht noch einmal aufkeimen. Es sollte kein neues Schwemmland für nationalistisches und rassistisches Gedankengut geben. Auch dieser Strom wuchs und wuchs, und schwemmte immer mehr Zweifel auf und mit. Die zwei Ströme beäugten sich unentwegt. Bald wurde der Platz eng und die zwei reissenden Flüsse kamen sich immer näher – bis sie aufeinander stießen.

Es wurde Geröll, Steine und Schlamm aufgewirbelt – das Wasser wurde braun. Die zwei Ströme tobten gegeneinander und jeder versuchte die Oberhand zubekommen. Sie neutralisierten sich gegenseitig. Was blieb war ein braunes, stinkendes Gewässer.

 

Bildquelle: Jan Tornack  / pixelio.de