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... der Sache auf den Grund gehen

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The Happy Planet Index

Passend zur kommenden Weihnachtszeit sollten wir alle ein wenig “Konsumbesinnlicher” werden: Warum wird ‘Erfolg‘ von Nationen immer in Geld, Wachstumsraten, BIPs, Technologielevel, … gemessen und nicht an dem Glück ihrer Einwohner? Was bringt einem immer mehr und mehr Geld, wenn man vor lauter Produktivitätsgedanken keine Zeit mehr hat es auszugeben? Was bringt einem Technolgie, wenn sie nicht zu einem guten Zwecke eingesetzt wird?

Das sind fundamentale Fragen, die sich auch der Statistiker Nic Marks stellt. In diesem TED-Talk stellt er seinen Ansatz vor und berichtet auch wer den höchsten HPI (Happy Planet Index) auf der Welt hat, ich war dann doch ein wenig erstaunt.

Das Transkript des Videos finden ihr auf der nächsten Seite.

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UN Klimagipfel in Doha – Richtungsweisend ?

Heute ist es wieder soweit. In Doha (Katar) werden sich Delegierte aus 193 Staaten treffen, um der 18. Konferenz COP18 (Conference of Parties) beizuwohnen. Der Druck ist gewaltig, bereits im Vorfeld der Konferenz wurde von unterschiedlichsten Institutionen auf die Dringlichkeitsstufe des Weltklimagipfels hingewiesen.

So wies die Weltwetterorganisation (WMO) darauf hin, dass die Konzentration von CO2 bereits 1,4-mal so hoch sei wie zu Beginn der Industrialisierung. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) reihte sich auch in die lange Schlange der “Wachrüttler” ein. Auch die Weltbank als weitere internationale Institution warnte dringlich vor den Konsequenzen von weiteren Klimaveränderung.

Soweit ist das keinesfalls etwas neues. Vor solchen “Mammutgipfel” wird meistens schon zuvor mit den Säbeln gerasselt, doch bleiben die Erfolgsaussichten meist weit hinter dem eigentlich nötigen Handlungszwang zurück. Das Ziel bleibt seit dem letzten (großteils gescheiterten) Gipfel von Durban bestehen: Ein international umfassendes Klimaabkommen  auf den Weg zu bringen und bis spätestens 2015 zu verabschieden, dass es dann 2020 in Kraft treten kann.

In Durban war die EU der Antreiber in Sachen “Klimaschutzvertrag”. Vor allem unsere Bundeskanzlerin war es, die im Hintergrund auf das Zustandekommen des Vertrages pochte. Aber vor allem aufstrebende Wirtschaftsnationen wie Indien und China waren es, die es nicht einsahen ihr Wirtschaftswachstum durch Klimarestriktionen zu bremsen. Am Ende der Verhandlungen kam eine “vertragliche Missgeburt” zustande. Der Kompromiss lautetr “gültige Regelung mit Rechtskraft”. Damit wurde eigentlich nichts beschlossen und alles weiterhin diplomatisch offen gehalten.

Der zweite wichtige Punkt auf der Agenda ist ein Nachfolger für das “Kyotoprotokoll” zu finden. Dabei handelt es sich um den bisher einzigen Vertrag der eine Reduktion von Treibhausgasen behandelt. “In den Jahren 2008 bis 2012 solle der CO2- Ausstoß der Industriestaaten um rund fünf Prozent unter dem des Jahres 1990 liegen. Für die einzelnen Staaten wurden unterschiedliche Ziele festgelegt: Deutschland hat sein Ziel von mi- nus 21 Prozent erreicht. “(StZ 26.11.2012 S.2)

In Durban wurde beschlossen das Protokoll fünf weitere Jahre fortlaufen zu lassen. Doch obwohl dieser Vertrag weiterhin Gültigkeit hat, ist die USA immer noch nicht involviert. Des weiteren erwägen nun auch Kanada und Japan  auszusteigen. Stand heute: Neben der EU und anderen europäischen Ländern wollen nur Australien und Kasachstan mitmachen. Doch diese Länder sind nur für 15 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich.

Eine weitere “Baustelle” ist der neu eingerichtete “Grüne Klimafonds“. Der 2010 im mexikanischen Cancùn eingerichtete Fonds soll hauptsächlich Entwicklungsländern bei der Verwirklichung von Klimaschutzzielen finanziell unter die Arme greifen. Er soll ab 2020 diesen Ländern über 100 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, um einen möglichen Ausgleich zu bieten. Doch ist bis jetzt die Gestalt des Fonds noch sehr wage. In Katar soll der Fonds nun endgültig auf den Weg gebracht werden. Deutschland hat bereits 2012-2013 über 40 Millionen Euro zugesagt. Unter anderem aus CO2-Abgaben bei Flügen soll der Fonds aus Deutschland gespeist werden.

Der vierte wichtige Punkt ist das neue “REDD-Programm”. Dabei handelt es sich um ein Waldprogramm, welches ein neues Instrument im Kampf gegen Klimaerwärmung darstellen soll. Dabei soll einerseits eine Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung zu Gunsten landwirtschaftlich genutzter Flächen erreicht werden. Anderseits soll jetzt der Waldschutz zur CO2-“Neutralisierung” dazukommen. Dabei ist die Rede von einer CO2-Prämie für Länder, die sich aktiv um z.B. Aufforstung kümmern. Hierbei soll vor allem Länder mit Regenwälder ein Anreiz geboten werden schädlichen Raubrodung stärker zu sanktionieren. Unter Naturschützer ist REDD aber durchaus umstritten.

Hier noch einmal eine Kurzübersicht von der “Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg“:

  • Verlängerung des Kyoto Protokolls bis 2017 oder 2020. Ein Nachfolgeabkommen soll 2012 in Katar ausgearbeitet werden.
  • Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die bis spätestens 2015 ein neues Protokoll oder eine andere Vereinbarung mit rechtlicher Kraft ausarbeitet. Diese neue Vereinbarung soll 2020 in Kraft treten.
  • Die Schaffung eines Clean Climate Funds zur Verwaltung eines Teils der jährlich 100 Milliarden Dollar, die die Industrieländer den Entwicklungsländern ab 2020 versprochen haben;
  • Verbesserungen beim Schutz der tropischen Regenwälder sowie die Schaffung von Institutionen, die Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen.
  • Der Transfer von Klimaschutztechnologien an Entwicklungsländer soll erleichtert werden.
  • Verbessert wurde zudem die Kontrolle der Emissionen von Entwicklungsländern.

Quellen: StZ 26.11.2012 S.2, Sponipccunfccc

Links zum Thema: epo.de, greenpeace

OpenOil – Mehr Transparenz für die Bevölkerung?

Auf dem “Summit of Newthink” hat Zara Rahman das Projekt “Open Oil” der Öffentlichkeit vorgestellt. Es geht vor allem um das Ziel Ölverträge transparent zu machen und die Bevölkerung der Exportländer über die Geschäfte aufzuklären.

Unter dem Titel “Wiki Guides PDF” wurde eine Erklärungshilfe bzw. Anleitung erschaffen, die komplizierte Verträge helfen soll zu erklären. Es soll eine einfach verständlich Alternative zu komplizierten Gesetzestexten sein. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden durch das Vertragsdickicht zu kommen.

In October 2012, OpenOil gathered a group of world class oil experts and professionals to jointly write a book which explains how to read the contracts which govern the industry. Borrowing a crash production technique known as a “book sprint”facilited by Sourcefabric, the group produced “Oil Contracts- how to read and understand them” in just one week.


Hier bekommt man die PDF.

(Via)

Wenn essen nicht “gut und günstig” ist

Es sei dahin gestellt wie man zu Discounter steht. Ob man ethische Zweifel hegt, wenn man Fleisch für ein paar Euro bekommt, oder eben nicht. Ob man dann ganz darauf verzichtet oder zum Metzger geht, wo man hofft “ethisch korrekte” Ware für mehr Geld zu bekommen. Es sind aber solche Entscheidung, die viel mehr beeinflussen, als man sich vielleicht eingestehen möchte.

Die Fleischproduktion verschlingt Unmengen an Wasser und Futtermittel, die benötigt werden dieses Luxusgut herzustellen. Für viele Menschen auf der Welt ist es unerreichbar, eine Weltversorgung mit Fleisch scheint unmöglich. Doch fordert diese Unmengen an Futtermittelbedarf -gepaart mit Schocks, wie den momentan anhaltenen Dürren in den USA – Engpässe der Grundnahrungsmittelversorgung auf dem ganzen Globus.

Wie die Weltbank aktuell berichtet, steigen die Lebensmittelpreise in astronomische Höhen. Allein im Juli verteuerten sich Nahrungsmittel um zehn Prozent.

“Der Preis für Weizen und Mais erhöhte sich von Juni auf Juli um jeweils 25 Prozent, der für Sojabohnen um 17 Prozent. In einigen Ländern seien die Preise besonders stark in die Höhe geschossen: So sei in Mosambik der Preis für Mais innerhalb eines Monat um 113 Prozent gestiegen.” (Tagesschau)

Meldungen über Preisanstiege (Hirse) über 220 Prozent im Südsudan, lässt die humanitäre Folgen nur erahnen. Wenn dazu noch Preistreibereien durch Spekulanten an den Rohstoffbörsen dieser Welt kommen, wird der buchstäblicher der Kampf ums Überleben in den ärmsten Regionen der Welt verschärft.

Dazu tragen wir sicherlich einen gehörigen Teil dazu bei. Nicht nur mit Subventionen, Einfuhrbeschränkungen etc. – sondern auch mit unserer täglichen Entscheidung vor der Ladentheke.

Foto: Janos Balazs

Atomkraft pfui! Trotzdem Stromexport?

Ja, man kann es kaum glauben. Jedenfalls nicht, nachdem die Atomlobby uns Tag für Tag ein scheitern der Energiewende prophezeit hat. Es wurden fast biblische bzw. apokalyptische Bilder in deutsche Wohnstuben gezeichnet, dass wir ab jetzt nur noch bei Kerzenschein essen werden können.

Doch obwohl acht AKWs in Deutschland mittlerweile vom Netz sind, hat sich nicht viel geändert – zumindest nichts, was die Versorgungssicherheit anbelangt. Denn jetzt kommt’s: “Im vergangenen Jahr verkaufte Deutschland trotz der Abschaltung von acht Atomkraftwerken Strom ins Ausland. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) exportierte Deutschland netto 6000 Gigawattstunden.”

Auch im Winter kam es zu keinen erheblichen Einbrüchen der Versorgung und dort wo es zu Engpässen kam, waren die Gründe eher bei “Netzausbau” und beim “Zusammenspiel von Strom- und Gasmarkt” zu suchen.

Dazu sagt auch Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller im Spiegel:

“Allerdings wird sich die Situation laut Müller bis ins Jahr 2014 entspannen, denn die Energiebranche plant Milliardeninvestitionen in neue Kraftwerke. Derzeit gibt es laut BDEW bundesweit 69 konkrete Pläne für neue Kraftwerke: 29 Gas- und 17 Kohlekraftwerke, 23 Offshore-Windkraft-Projekte sowie zusätzlich zehn Pumpspeicherkraftwerke. “Die Projekte entsprechen einer installierten Leistung von rund 42.000 Megawatt und einem Investitionsvolumen von mehr als 60 Milliarden Euro”

Insgesamt ist der Stromverbrauch in zum Vorjahr stabil geblieben. Er um 0,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der vergleichsweise milde Winter führte laut BDEW dazu, dass der Absatz auf dem Wärmemarkt stark rückläufig war.

Soviel zum Thema Kernkraft und Versorgungssicherheit. Das diese Technik antiquiert ist, sollte uns endlich allen (auch der Atomlobby) bewusst werden!

Indien der “Fließenleger” der Welt

Jerzy / pixelio.de

Indien – Land der Superlativen. Die landschaftliche, geschichtliche und kulturelle Vielfalt entspricht eher der eines eigenes Kontinents. Mit mehr als 1 Milliarde Menschen auf mehr als 3,2 Mio. qkm Staatsfläche, einer maximalen Höhe von 8586 m und Sehenswürdigkeiten wie dem Taj Mahal, hat Indien gleich mehrere Superlative aufzuweisen.
Trotz der Überbevölkerung hat sich Indien besonders in den letzten 30 Jahren von einem Entwicklungsland zu einem Schwellenland und dann zu einer aufstrebenden Nation an der Schwelle zum 21. Jhd. entwickelt. Vor allem in Sachen neue Technologien – im besonderen auf dem IT-Sektor – zählt Indien zu den ganzen großen. Auch der Reichtum an Bodenschätzen sichert dem Land einen Platz an der Spitze der wirtschaftlichen Entwicklung in der Zukunft.

Doch dieser rasante Aufstieg hat auch seinen Preis. Da vor allem der indische Dienstleistungsbereich boomt, wird hier zwar Wirtschaftswachstum generiert, aber es wurden nur Arbeitsplätze für vergleichsweise wenig Inder geschaffen – die ‘neue Mittelschicht. Der weit aus größere Bevölkerungsteil ist immer noch mit der traditionellen Landwirtschaft verwurzelt. Hier ist gegenteiliges der Fall: In diesem Sektor arbeiten vergleichsweise viele Menschen, tragen aber verhältnismäßig wenig zum BIP bei. Somit müssen die meisten Inder immer noch mit Armut und deren Folgen kämpfen.

Armut ist ein sehr schwammiger Begriff. Die Weltbank definiert den Menschen als arm, der mit weniger als zwei US-$ am Tag auskommen muss.

Nach dieser Definition waren im Jahr 2001 826 Mio. (79,9 %) der Inder arm. Zum Vergleich zum Jahre 1981 waren es ca. 200 Mio. mehr. Auch der HDI (Human Development Index) nimmt für viele Teile Indien einen sehr niedrigen Wert an. Bei diesem Index wird nicht nur rein das BIP einbezogen, sondern auch andere Faktoren wie Lebenserwartung und der Bildungsstand. “Bei einem Vergleich indischer Bundesstaaten zeigt sich, dass die Entwicklung in Bihar, dem Bundesland mit dem geringsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, am schlechtesten ist: Wäre Bihar mit seinen 80 Millionen Einwohnern ein eigener Staat, dann würden weltweit nur 10 Staaten noch geringere Werte aufweisen. Auch die Bundesstaaten Uttar Pradesh, Rajasthan, Madhya Pradesh und Orissa in Zentralindien schneiden schlecht ab. Als Ursachen dafür gelten der niedrige Bildungsstand der Bevölkerung, eine schlechte Infrastruktur sowie das starke Bevölkerungswachstum in diesen Bundesstaaten.” (Bronger / Wamser 2004: 358) Mehr als 90% der Menschen im erwerbsfähigen Alter haben keine feste bzw. vertraglich geregelte Arbeitsstelle.

Aber vor allem die Kinder leiden unter diesen Bedingungen. Zwar sinken die Analphabetenrate (1950:80% – 2001:35%) und die Kindersterblichkeit (je 1000 1960:242 – 2003:87), aber Kinderarbeit gilt noch immer als gang und gäbe.

Zwar verbietet die Indische Verfassung sowohl Menschenhandel als auch Zwangsarbeit und fordert, dass Kinder in einem gesunden Umfeld in Freiheit und Würde leben können und dass Kindheit und Jugend vor Ausbeutung sowie moralischer und materieller Vernachlässigung geschützt werden, doch existiert eine entscheidende Lücke weiterhin: Heimarbeit gilt als privat und ist daher nicht gesetzlich geregelt. Die rechtliche Grundlage für eine Verhinderung von Kinderarbeit ist also durchaus gegeben, wie werden diese Gesetze nun doch wieder umgangen?

Zum Beispiel führen viele Ermittlungen gegen den Arbeitgeber nur in den aller wenigstens Fällen zu Verurteilungen. Binnen 5 Jahren gab es nach Angaben der indischen Regierung zwar 1.332.607 Inspektionen, bei denen 21.246 Verstöße festgestellt wurden. Doch es kam nur zu 6.305 Verurteilungen (Government of India: 2004) Vor dem Hintergrund, dass in Indien viele Millionen Kinder arbeiten und deren Arbeit oftmals im Alltagsleben zu beobachten ist, sind 6.305 Verurteilungen eher ein Beleg für das Scheitern der Regierung denn ein Erfolg im Kampf gegen die Kinderarbeit. Gewerkschaften kritisieren daher, die Gesetzgebung sei nie wirklich angewandt worden (ICFTU 2004: 5)

Deshalb arbeiten viele der Kinder – denen eigentlich per Gesetz eine Schulausbildung bis zum 14 Lebensjahr zugesichert ist – dennoch in nicht erlaubt Bereichen. Laut Regierung arbeiteten im Jahr 2001 rund 12,5 Millionen (5 Prozent) der 252 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren (Government of India 2004). Eine Studie, die von indischen Ministerien und UNICEF im Jahre 1994 herausgegeben wurde, geht dagegen von 90 Mio. arbeitenden Kindern aus (Stella 2003: 10). Laut einer landesweiten Umfrage aus dem Jahr 2000 arbeiten rund 14 Prozent der Kinder mindestens 4 Stunden täglich und somit mindestens 28 Wochenstunden (MICS 2001: 33).

ILO/M. Crozet

Gründe für die Anstellung von Kindern liegen auf der Hand. Sie gelten einfach als billigste Arbeitskraft, denen nur Nahrung und Unterkunft gewährt werden müssen. Kinder erhalten wesentlich geringere Löhne als Erwachsene. Kinder sind sich ihrer Rechte weniger bewusst, sie sind gefügiger, führen Aufgaben bereitwillig aus und leisten monotone Arbeiten, ohne sich zu beklagen.

Als ein Beispiel für einen Bereich, der massiv von Kinderarbeit durchzogen ist, gilt der der Steinindustrie. Dieser Sektor beschäftigt um die 1 Mio. Menschen und weltweit werden dort etwa 30 % aller gewonnen Steine abgebaut. Dabei steigt der Export der Steinprodukte in den letzten Jahren rasant an. Von Denkmälern und Grabsteine, zu Skulpturen und Platten aller Art. Alleine nach Deutschland betrug das Volumen in den letzen Jahren um die 40 Mio. Euro. Diese Zahl ist aber eher zu gering, da viele Importe z.B. aus China, ursprünglich doch aus Indien kommen.

Die Arbeit ist hart und die Arbeitsbedingung sind es auch. Da die Arbeit größtenteils manuell – mit bloßen Händen – durchgeführt wird, ist es ein Knochenjob. Durch die Anstellung von Kindern wird das Lohnniveau ins Unermäßliche gesenkt. Viele der Kinder leisten sozusagen die Schuld der Eltern ab und begeben sich selbst wieder in ein System der Schuldknechtschaft, das ihre Kinder selbst wiederum darin gefangen hält. Die Folgeschäden für die Kinder ist meist kaum abzusehen. Kinder, die von morgens bis abends harte körperliche Arbeit leisten, kämpfen mit gravierenden Folgen für Körper und Seele. Dies gilt sowohl für die arbeitenden Kinder als auch für Erwachsene, die ihre Gesundheit für Hungerlöhne ruinieren.

Somit müssen sich gerade staatliche Großabnehmer die Frage stellen, ob diese “Blutige Pflastersteine” (SPIEGEL) überhaupt in irgendeiner Art und Weise zu verantworten sind. Ich meine nicht. Vielmehr sollte ein verantwortlicher Einkauf dieser Steine forciert werden.

“KundInnen aus Deutschland – seien es Kommunen, Firmen oder Privatpersonen – können Einfluss auf die Erfüllung dieser Forderungen nehmen, wenn sie den indischen Herstellern soziale und ökologische Produktionskriterien vorgeben. Sie sind dabei keineswegs machtlos, denn die stark expandierende indische Steinindustrie hat ein hohes Interesse daran, ihre Exporte auszubauen. Solchen Bestrebungen schadet eine öffentliche Diskussion in den Heimatstaaten potentieller KundInnen: Allein die Selbstverpflichtungen großer deutscher Kommunen, keine Steine aus Kinderarbeit zu kaufen8, führen aus indischer Sicht zu einer Gefährdung von Millionengeschäften. Die zur Zeit vorangetriebene Einführung eines Siegels für den Import von indischen Grabsteinen aus Granit geht in eine ähnliche Richtung.” (welthungerhilfe)

(via Welthungerhilfe)

 

Bill Gates “strahlt” in China

Die Idee von “Mini-Atom-Reaktoren” hegt Bill Gates ja schon seit einiger Zeit. Seines Erachtens stellen sie die Zukunft der globalen Energieversorgung dar. Kurz zusammengefasst, will er kleine Reaktoren auf den Markt bringen, die mit Uranabfall Energie erzeugen können. Der theoretisch Vorteil wären also, dass er nicht jährlich neu bestückt werden müsste. Daraus ergeben sich vor allem zwei Vorteile: Erstens wird mit der Verwendung von Abfallprodukte die Entsorgungsfrage wenigstens entschärft und zweitens müsste kein angereichertes Uran – was zur Herstellung von Waffen geeignet ist – verwendet werden. Zusätzlich sollen die Reaktoren erdbebensicher gestaltet werden. Auch würde ein Nachschubproblem von Brennstäben wegfallen, weil für die nächsten Jahr/-zehnte sicherlich genug Atommüll noch rumliegen wird.

Gerade in Zeiten von Fukushima sind solche Visionen natürlich umso erstaunlicher. Damit es aber nicht nur bei Visionen bleibt, hat Gates in die China, die von ihm mitgegründete Firma Terra Power ins Licht der Öffentlichkeit gebracht. Terra Power hat nun der Weltöffentlichkeit genau Computermodelle eines möglichen Reaktoraussehens präsentiert. Die enge Kooperation mit China, zeigt sicherlich das große Interesse Chinas an dem Produkt. Der Energiehunger des bevölkerungsreichste Land ist noch lang nicht gestillt und für China wäre es sicherlich wichtig selbst autark zu werden und gleichzeitig zu verkünden man haben diesen Strom sicher und CO2-neutral produziert.

Der Fall zeigt aber auch wieder, wie globalisiert doch unsere Welt ist. Gates selbst im ökonomischen Sinne fast ein Prototyp der Erfüllung des amerikanischen Traums, sucht sich die Geschäftspartner nicht gerade patriotisch aus. Scheinbar konnte er seine Technologievisionen in Amerika nicht an den Mann bekommen und suchte sich so “seine Freunde” im Reich der Mitte. Dazu ein Zitat der “Washingtonpost“:

“The negotiations between Gates and China should be a wake-up call for the United States government for both obvious and not-so-obvious reasons. Here’s why: This move illustrates how free innovators are to travel anywhere in the world and take advantage of conditions that are most attractive for future growth.”

An der Wahl pro China lässt sich vor allem eines ablesen, Amerika ist nicht mehr die Technologie-Macht Nummer eines. Wenn selbst ein so innovativer Mann wie Bill Gates die “Heimat verlässt”, verheißt das doch einiges.

“The prospects are brighter for a nuclear power start-up to make it in China than in the U.S. When Gates went looking for partners, he landed in Beijing, not Seattle. In fact, as the Wall Street Journal pointed out in February after Gates met with the Chinese scientific establishment earlier this year, “Current U.S. rules don’t even cover the type of technology TerraPower hopes to use.” Ouch.”

 

Kanada verschwindet durch die Hintertür

Hier sieht man wieder wie schwach internationale Regime doch sein können. Um etwaige Strafzahlungen zu vermeiden, stimmt u.a. Kanada einer Vertragsverlängerung des Kyoto-Protokoll nicht zu.

“Kanada ist damit die erste Nation, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und sich vorzeitig aus dem Abkommen zurückzieht. Mit seinem Ausstieg umgeht das Land Strafzahlungen in Milliardenhöhe für nicht eingehaltene Klimaziele. Auch Japan und Russland hatten im vergangenen Jahr bereits angekündigt, einer Verlängerung nicht zustimmen zu wollen.” (SZ)

Das Argument des kanadischen Umweltministers ist auch sehr kontrovers:

“Das Kyoto-Protokoll umfasst nicht die beiden größten Emittenten, die USA und China, und kann somit nicht funktionieren”, sagte Kent.  “Es ist jetzt deutlich, dass Kyoto nicht der Weg hin zu einer weltweiten Lösung beim Klimawandel ist. Es ist allenfalls ein Hindernis.”

Anstelle dem Kyoto-Protokolls will Kanada bzw. deren konservative Regierung ein eigenen Klimaschutzplan verfolgen. Dieser sieht vor, dass die Emissionen bis 2020 um 20% zum Vergleich  2006 gesenkt werden sollen. Realistisch wäre das knapp nur 3 % weniger vom Niveau 1990.

Laut Kyoto-Protokoll hätte Kanada seinen Ausstoß bis 2012 um 6 % im Vergleich zu 1990 senken müssen. Im vergangenen Jahr lag der Wert jedoch um mehr als 35 % über den Daten von 1990.

Der Fall Kanada zeigt vor allem zwei Dinge. Erstens ist ein internationales Regime ohne potenten Sanktionsmöglichkeiten (die auch exekutiert werden können!) relativ sinnlos. Alleine mit dem “guten Wille” lassen sich wohl kaum Länder zum Klimaschutz überzeugen. Und zweitens, kann eine Entschleunigung eines Klimawandels nur gemeinsam geschafft werden. Da ist es wenig hilfreich, wenn Länder wie Kanada, nun nicht gerade ambitionierte Alleingänge starten. Im Fall Kanadas nur um Strafen zu umgehen.

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